Stampflehmboden

Update zum Stampflehmboden

Nach einer Saison ist der Lehmboden im Küchenbereich komplett durchgetrocknet und es ist wieder Sommer, Zeit also die letze Schicht des Lehmbodens fertig zu machen.

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Im Bild oben ist noch der unfertige Boden zu sehen

Die Mischung besteht zu 4 Teilen aus feinem Sand, 1 Teil Lehm, 1-2 Teile Stroh und eher wenig Wasser. Für das Stroh habe ich einen Strohballen aufgeschnitten und mit dem Rasenmäher so lange überfahren bis kleine, gleichmäßige Häcksel daraus wurden (keine Arbeit für windige Tage). Das Rezept der Lehmmischung sollte jeder selber mit seinen eigenen Materialien ermitteln, da ich den Lehmboden vor Ort genommen habe.

Die Methode ist denkbar einfach: Ich habe Muster in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen Lehm:Sand von 1:2 bis 1:7 angefertigt. Wenn es bröselt ist zu viel Sand drin, wenn es Risse bildet zu viel Lehm. Von den Mischungen dazwischen nehme ich jene, die am härtesten ist – ausgetestet mit einem Hammer.

Angerührt habe ich die Lehm-Sand-Wasser-Mischung in einem 80 Liter Mörteltrog mit einem Zementrührer.  Anschließend kippe ich die Mischung auf eine Plane/Tarp und arbeite die Strohfasern mit den Füßen ein, bis die Masse homogen wird.

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Der Untergrund wird angefeuchtet, die Mischung mit einer Maurerkelle grob verteilt und mit einer Kelle glatt gezogen. Nicht zu glatt, da dies noch nicht die letzte Schicht darstellt.

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Der Holzboden und die Steinplatten geben mir das endgültige Niveau vor, trotzdem hatte ich eine Wasserwaage zur Hand.

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Am Übergang Holzboden zu Lehmboden habe ich eine Folie eingelegt und sie beim trocken wieder herausgezogen. So sind die unterschiedlichen Böden durch einen dünnen Spalt getrennt und reißen hoffentlich nicht…  Die Lehm-Sand-Mischung und der Stein dehnen sich bei Wärme ähnlich aus, daher kommt es bei den Steinplatten nicht zu Rissen.

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Der Boden war dann nach ca. 10 Tage gut durchgetrocknet und bereit für seine letzte Abschlusschicht. Beim recherchieren bin ich auf Litema gestoßen, eine fermentierte Lehm-Kuhdung-Mischung, die in Afrikanischen Ländern gerne dort verwendet wird, wo die Beanspruchung höher ist z.B. Türschwellen und Fensterbretter.

Dazu habe ich frischen Kuhdung und Lehm 1:1 gemischt und es mehrere Wochen in einem geschlossenen Eimer fermentieren lassen. Dabei änderten sich Geruch, Farbe und Konsistenz, aus dem anfänglichen stinkenden Matsch wurde eine weniger riechende plastische Masse, die sich sehr gut verarbeiten und auftragen ließ.

DSC_5059 3litema

Im Haus habe ich die fermentierte Lehm-Dung-Mischung mit einem weiteren Teil Sand vermischt und als ca. 1 mm dicke Schicht aufgetragen, trocknen lassen, und nochmals eine verdünnte Mischung mit dem Pinsel aufgetragen. Die Oberfläche lässt sich wenn der Untergrund fast ganz trocken ist gut mit einem feuchten Schwamm glatt ziehen.

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DSC_5060 3leinöl

Nachdem die Abschlussschicht getrocknet war, habe ich den Boden mit Leinöl versiegelt. Die ersten Schichten waren eine Verdünnung aus 2 Teilen Spiritus und einem Teil Leinöl, dann 1:1 Verdünnungen und am Ende das pure Leinöl. Jede Schicht habe ich durchtrocknen lassen. Als Abschlussschicht habe ich Bienenwachs mit Leinöl vermischt. Auch die Natursteinplatten im Eingangsbereich habe ich mit Leinöl und Bienenwachs behandelt damit die Steine wasserabweisend werden.boden3 DSC_0163w

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Fazit nach einem weiteren halben Jahr:

Der Stampflehmboden ist wasserdicht und problemlos nass wischbar – sollte aber so alle 1-2 Jahre wieder mit Leinöl eingelassen werden

Barfuss ist der Boden sehr angenehm, und fühlt sich deutlich wärmer an, als die Steinplatten daneben und auch weniger hart. Im Winter nimmt er die Hitze vom Küchenofen auf – direkt um den Ofen ist der Boden sogar richtig warm. Die große thermische Masse hilft die Zimmertemperatur während der Nacht konstant zu halten, wenn der Ofen aus ist.

Anfangs war die Farbe vom Bodenbelag recht speckig glänzend, nach einigen Wochen wurde er stumpfer und gefällt mir deutlich besser. Der Farbton der getrockneten Lehm-Sand-Mischung ist Sandfarben, nach dem Leinöl dunkelt das stark ab, und bleibt auch so. Da würde ich gerne noch mit helleren Lehm-Sand-Mischungen  und Farbpigmenten experimentieren.

Der Stampflehmboden ist grundsätzlich sehr strapazierfähig, und hat sich wirklich bewährt. Schwachstelle war der Übergang zum Holzboden. Über die Jahre sind da kleine Cuts entstanden. Auch Gusseiserne Töpfe hinterlassen ihre Spur wenn sie fallen. Da könnte eine Putzprofilkante helfen.

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